The Railway Man: Die Liebe seines Lebens

In welchem Zusammenhang stehen Hitlers Genitalien, Harald Schmidt und der Film The Railway Man: Die Liebe seines Lebens? Um das zu beantworten, sollte ich mit einer anderen Frage anfangen: Welche Musikstücke sind ebenso berühmt wie die Filme, in denen sie Verwendung finden? Natürlich fallen einem dabei sofort die Melodien aus Der Weiße Hai, Star Wars oder Jurassic Park ein, aber auch Songs wie Mrs. Robinson, Moon River oder As Time Goes By.

Ein Film, der über ein überaus einprägsames Musikstück verfügt, ist Die Brücke am Kwai von 1957. Der Klassiker handelt von unbeugsamen britischen Kriegsgefangenen, die ihren japanischen Wärtern ihre Überlegenheit durch den Bau einer Brücke beweisen wollen. Dabei wird immer wieder der Colonel Bogey March gepfiffen, eine überaus einprägsame Weise, die man, einmal gehört, nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Der Marsch stammt bereits von 1914, wurde aber auch im Zweiten Weltkrieg noch gerne gesungen – meist mit einem vulgären Text unter dem Titel Hitler Has Only Got One Ball.

Dieser Text geht übrigens auf ein hartnäckiges Gerücht zurück, dass Hitler entweder durch einen Unfall in der Kindheit oder durch eine Kriegsverletzung nur über einen Hoden verfügte. Was Harald Schmidt in seiner Show Ende der Neunziger zu einem Running Gag inspirierte. Wer jetzt noch wissen will, was das alles mit dem oben genannten Film zu tun hat, muss die Kritik lesen.

The Railway Man: Die Liebe seines Lebens

Eric Lomex (Colin Firth) ist ein Eisenbahn-Enthusiast, der kreuz und quer durch England reist, um alte Fahrpläne und andere Dinge zu erwerben. 1980 lernt er auf einer Zugfahrt die ehemalige Krankenschwester Patti (Nicole Kidman) kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Doch schon kurz nach der Hochzeit stellt Patti fest, dass Eric unter einem schweren Kriegstrauma handelt. Da er nicht über seine Erlebnisse in japanischer Gefangenschaft reden will, wendet sie sich an seinen Freund und ehemaligen Kameraden Finlay (Stellan Skarsgard). Als dieser herausfindet, dass Takeshi Nagase (Hiroyuki Sanada), einer ihrer früheren Peiniger, noch immer in Burma lebt, reist Eric nach Asien, um ihn mit seiner Schuld zu konfrontieren …

Es beginnt mit einer zarten, zurückhaltenden Liebesgeschichte zwischen zwei nicht mehr ganz jungen Menschen. Doch schon bald wird einem klar, dass nicht Nicole Kidman Erics im deutschen Untertitel beschworene Liebe seines Lebens ist, sondern die Eisenbahn. In langen Rückblenden erfährt man, dass Eric (Jeremy Irvine) schon in jungen Jahren ein Faible für dieses Transportmittel hatte und in der japanischen Gefangenschaft eingesetzt wurde, um an der Thailand-Burma-Eisenbahnstrecke zu bauen.

Genau davon handelt auch Die Brücke am Kwai, der sich jedoch auf die Konstruktion besagter Brücke konzentriert und manche schaurige Details ausspart. Während der Klassiker von David Lean auf einem Roman basiert, ist The Railway Man die Verfilmung der Autobiografie von Eric Lomex. Interessanterweise gibt es eine weitere Biografie von einem Gefangenen, die verfilmt wurde: To End All Wars – Die wahre Hölle von 2001 mit Kiefer Sutherland und Robert Carlyle, und auch hier taucht Takeshi Nagase auf.

Im Gegensatz zu der Verfilmung von 1957 sparen die beiden neueren Filme nicht mit den brutalen Details der Inhaftierung. Demütigungen, harte Arbeit und Folter waren an der Tagesordnung, und entsprechend sehen die Männer in The Railway Man auch aus. Dank Eric gelingt es allerdings, ein behelfsmäßiges Radio zu bauen, so dass sie Nachrichten aus der Heimat hören und den Kriegsverlauf nachvollziehen können. Auf diese Weise schöpfen sie Hoffnung und Kraft.

Doch als das Radio entdeckt wird, werden die Männer bestraft, vor allem Eric, der sich zu seiner Tat bekennt. Takeshi Nagase fungiert dabei als Dolmetscher und wird für den Briten so vor allem zu dem Gesicht der Folterer, das ihn auch Jahrzehnte nach Kriegsende nicht loslässt.

Colin Firths Darstellung ist brillant und einprägsam. Dabei fällt es dem Zuschauer jedoch genau wie Patti schwer, Zugang zu ihm zu bekommen. Erst die Rückblenden erlauben es einem, mit ihm mitzuleiden und ihn besser zu verstehen. Bis dahin nimmt sich der Film jedoch sehr viel Zeit, und auch danach stellen sich noch vereinzelte Längen ein.

Doch das Ende lohnt sich durchzuhalten, denn die Konfrontation mit Takeshi Nagase ist sehenswert. Manche Momente hätten vielleicht noch etwas dramatischer ausfallen können, doch vor allem die letzten Szenen sind an emotionaler Intensität kaum zu überbieten.

Note: 3+

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...