Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone

Vor ein paar Jahren waren dystopische Comming-of-age-Geschichten à la Die Tribute von Panem der letzte Schrei in Hollywood, und da bereits die zugrundeliegenden Romane im Dreierpack daherkamen, wurden daraus meistens Trilogien, wobei der letzte Teil gelegentlich sogar in zwei Filme unterteilt wurde, um … nun ja, mehr Geld damit zu verdienen.

Den ersten Maze Runner-Film mit dem deutschen Untertitel Die Auserwählten im Labyrinth habe ich seinerzeit sogar im Kino gesehen, die Fortsetzung dagegen bei einem Streamingdienst. Da der dritte Teil erst einige Jahre später, Anfang 2018, in unsere Kinos kam, und mich nicht so sehr interessiert hat, dass ich mir eine Karte gekauft hätte, geriet er ein bisschen in Vergessenheit. Neulich bin ich jedoch bei Netflix auf den Titel gestoßen und dachte mir: Warum eigentlich nicht? Immerhin war ich neugierig, wie die Geschichte ausgeht.

Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone

Einige Monate nach ihrer Flucht vor WCKD und der Gefangennahme von Minho (Ki Hong Leee), unternehmen Thomas (Dylan O’Brien) und seine Freunde einen Versuch, ihren Kumpel zu befreien, indem sie einen fahrenden Zug überfallen. Zwar gelingt ihr Manöver, doch Minho ist nicht bei den befreiten Jugendlichen, sondern landet in der geheimen Stadt von WCKD, um dort in perfiden wissenschaftlichen Experimenten gequält zu werden. Auch Teresa (Kaya Scodelario) ist nach ihrem Verrat zu Ava Paige (Patricia Clarkson) zurückgekehrt, um die Suche nach einem Impfstoff für die tödliche Krankheit fortzusetzen, die die gesamte Menschheit zu vernichten droht. Als Thomas beschließt, Minho aus dem Hochsicherheitslabor seiner Feinde zu befreien, weiß er, dass dies einem Himmelfahrtskommando gleichkommt …

Der Anfang des Films erinnert an einen Western. Ein Zug fährt durch eine Wüste und wird von Thomas und seiner Bande geentert. Wie es sich für einen Actionfilm gehört, geht es bereits in den ersten Minuten richtig zur Sache, während man sich als Zuschauer noch verzweifelt daran zu erinnern versucht, was alles im zweiten Teil passiert ist.

Letzten Endes ist das nicht so wichtig, denn es geht um fundamentale Grundsätze – unverbrüchliche Freundschaft und Loyalität – und eine sehr einfache Geschichte, die im Grunde eine Rettungsmission ist. Ob man nun Kriegsgefangene, Geiseln oder jugendliche Versuchskaninchen aus einem Labor befreit, spielt dabei keine so große Rolle. Regisseur Wes Ball erzählt diese Story sehr geradlinig und mit einem Händchen für solide Action. Raffiniert ist das zwar nicht, aber durchaus sehenswert.

Leider tritt das Drehbuch von T.S. Nowlin nach der abwechslungsreichen ersten Hälfte, die mit der überraschenden Rückkehr einer totgeglaubten Figur endet, für einige Zeit auf der Stelle. Erst wenn Thomas und seine Freunde mitten in der neonglitzernden Metropole ihrer Feinde zur Befreiungsaktion schreiten, gewinnt die Geschichte wieder an Tempo, und das Finale ist ebenfalls grundsolide erzählt. Da nicht alle Retter unversehrt zurückkehren, kommt es sogar zu dem einen oder anderen emotionalen Abschied.

Zwei Dinge sind noch bemerkenswert: Der Film beschäftigt sich mit der Frage, wie weit (medizinische) Forschung gehen darf und ob es legitim ist, zum Wohle vieler das Leben eines einzelnen Menschen zu riskieren – oder in diesem Fall, ihn einer schmerzhaften, traumatisierenden Prozedur zu unterwerfen. Schade, dass der Autor diese Problematik nicht weiter vertieft hat. Das zweite, was dem heutigen Zuschauer sofort ins Auge sticht, ist der Look: WCKD hat sich hinter einer hohen Mauer verschanzt und scheint damit zum Sinnbild des Trumpschen Amerika geworden zu sein, eine funkelnde High Tech-Fassade, hinter der Machtgier und Korruption herrschen, während der Großteil der wirtschaftlich abgehängten Rest-Menschheit vor den Toren um Asyl bettelt. Und da eine tödliche Seuche das Land heimsucht, tragen die Menschen in der Stadt auch alle Masken …

Insgesamt ein solider Abschluss einer dystopischen Trilogie, die von Anfang an nicht mit Die Tribute von Panem mithalten konnte, aber wenigstens auf befriedigende Weise zu Ende gebracht wurde – etwas, das der Bestimmung-Filmreihe nicht vergönnt war …

Note: 3-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...