Dune

Es war nur eine Frage der Zeit, bis dieser Stoff erneut von Hollywood entdeckt werden würde. Nachdem Der Herr der Ringe, eine Romantrilogie, die ebenfalls lange als unverfilmbar galt, erfolgreich und kongenial von Peter Jackson adaptiert worden ist, war es klar, dass dieses legendäre Franchise folgen würde. Und wer, wenn nicht der Bildermagier Denis Villeneuve, wäre dazu geeignet, diesem Monumentalwerk neues Kinoleben einzuhauchen?

Vermutlich hat sich aber auch der Psychomagier und surrealistische Filmemacher Alejandro Jodorowsky vor knapp fünfzig Jahren dazu berufen gefühlt, und vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an meinen Artikel über den Dokumentarfilm über Jodorowskys Dune, der das spektakuläre Scheitern des Projekts und vor allem seine kühne Vision beschrieben hat. Möglicherweise ist auch es als Hommage an Jodorowsky zu verstehen, dass Charlotte Rampling, die damals Lady Jessica spielen sollte, nun in der Rolle der Ehrwürdigen Mutter Gaius Helen Mohiam auftaucht, und sogar die Musik von Pink Floyd, denen Jodorowsky die Filmmusik anvertrauen wollte, werden musikalisch von Hans Zimmer zitiert.

Dune

Viele tausend Jahre in der Zukunft beherrscht ein Imperium die bewohnte Galaxis, dessen politische Struktur ein feudalistisches Lehnssystem ist. Als der Imperator Baron Harkonnen (Stellen Skarsgard) die Herrschaft über den Wüstenplaneten Arrakis entzieht und das Lehen Herzog Atreides (Oscar Isaac) überträgt, will er damit die beiden großen Häuser, die seiner politischen Vorherrschaft gefährlich werden könnten, in einen Krieg verwickeln. Tatsächlich sinnt Harkonnen alsbald auf Rache, während der Herzog gleichzeitig den Planeten in Besitz nimmt, dessen Hauptprodukt das Spice ist, durch das intergalaktische Raumfahrt überhaupt erst möglich ist. Schon vor dem Umzug in die neue, lebensfeindliche Welt hat der Sohn des Herzogs Paul (Timothée Chalamet) prophetische Träume, die ihn beunruhigen, sehen sie doch einen gewaltigen Krieg voraus. Pauls Mutter, Lady Jessica (Rebecca Ferguson), gehört zu einer uralten Sekte, die sich zum Ziel gesetzt hat, einen mächtigen, messiasähnlichen Herrscher zu erschaffen, und sie glaubt, dass ihr Sohn dieser lang erwartete Übermensch sein könnte …

Bis kurz vor dem Filmstart hatte ich irrtümlich angenommen, dass Villeneuve den gesamten ersten Band verfilmt hätte, dabei ist dies nur der erste Teil, der ungefähr die Hälfte der Handlung umfasst. Das ist einerseits schade, weil man am Ende des Films unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht, andererseits von Vorteil, weil mehr Zeit bleibt, die komplexe Welt der Romanreihe zu erklären.

Leider kratzen Villeneuve und seine Co-Autoren Eric Roth und Jon Spaights in ihrem Drehbuch nur an der Oberfläche und lassen viele Erklärungen weg, die hilfreich gewesen wären, um inhaltliche Zusammenhänge oder Figuren zu verstehen. Dennoch funktioniert die Story auch ohne sie sehr gut, weil ihr Kern, der von politischen Intrigen, Verrat und uralten Prophezeiungen handelt, geschickt herausgearbeitet wird. Der Inhalt wird auf das Wesentliche reduziert, und wer unbedingt tiefer in diese fremde Welt eintauchen will, sollte die Bücher lesen.

Zu dieser Reduktion passt auch die minimalistische Ausstattung, die ebenso japanisch anmutet wie die starre, zeremonielle Feierlichkeit, die weite Strecken der Handlung dominiert. Viele Szenen besitzen mit ihren gewaltigen Hallen etwas Bühnenhaftes, so dass man sich immerzu an ein Drama à la Shakespeare erinnert fühlt. In der Inszenierung sieht man hingegen Einflüsse von Akira Kurosawa oder auch Leni Riefenstahl. Insgesamt ist Villeneuves Zukunft von erschreckender Ernsthaftigkeit, was aber auch in der Romanvorlage angelegt ist.

Dune ist kein gewöhnlicher Science-Fiction, sondern ein bildgewaltiges Werk, das sich einem nur langsam erschließt. Der Rhythmus des Films ist gemächlich, entwickelt aber schnell einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Das Einzige, was man ihm vorwerfen kann, ist, dass er sich anfangs zu stark auf die politischen Intrige konzentriert, die schließlich zum Krieg zwischen den Häusern Harkonnen und Atreides führt und einen frühen Höhepunkt erreicht. Danach fällt die Spannung merklich ab, es schleichen sich einige kleinere Längen ein, die auch damit zusammenhängen, dass erst jetzt Paul stärker in den Fokus rückt. Dieses zugegeben kleine Manko ist in erster Linie der Komplexität der Handlung geschuldet – und der Orientierung an der Romanvorlage.

Wie zuvor Peter Jackson hat Denis Villeneuve gezeigt, dass man eine komplexe, vielschichtige Vorlage durchaus in einen packenden, wunderschön bebilderten Film umsetzen kann, ohne auf das Wesentliche der Geschichte verzichten zu müssen. Natürlich ist das Resultat nicht so komplex und vielschichtig wie der Roman, aber es wäre auch naiv gewesen, das zu glauben.

Note: 2+

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...