Dead Silence

Coulrophobie. So heißt die Angst vor Clowns. Als ich das erste Mal (in einem Film) gehört habe, dass sich jemand vor Clowns fürchtet, habe ich das noch als eine überspannte Marotte abgetan, ein netter Gag am Rande. Aber Stephen King und die Adaptionen seines Erfolgsromans Es haben uns eines Besseren belehrt.

Wie die Angst vor Bauchrednern heißt, weiß ich nicht. Vielleicht gibt es sie gar nicht. Im Grunde fürchtet man auch weniger die Puppe an sich, sondern die Interaktion zwischen ihr und ihrem Meister, die bei aller Komik, die sie beinhalten kann, immer auch einen Hauch von Wahnsinn und Schizophrenie in sich trägt. Kein Wunder, dass Bauchredner bereits seit den Kindertagen des Films das Publikum faszinieren und gruseln.

Dead Silence

Jamie (Ryan Kwanten) bekommt eines Abends ein geheimnisvolles Paket zugeschickt, das eine Bauchrednerpuppe enthält. Als er kurz die Wohnung verlässt, um etwas zu essen zu holen, wird seine Frau (Laura Regan) auf bestialische Art und Weise ermordet. Detective Lipton (Donnie Wahlberg) hält Jamie für den Hauptverdächtigen, muss ihn aber zunächst laufen lassen. Jamie kehrt daraufhin in die Stadt seiner Kindheit zurück, wo man sich eine Legende von einer berühmten Bauchrednerin namens Mary Shaw und ihrer Puppensammlung erzählt. Doch Mary ist seit Jahrzehnten tot und wurde zusammen mit ihren Puppen begraben. Bald stellt Jamie fest, dass die Puppe, die er erhalten hat, aus Marys Besitz stammt und ihre Geschichte eng mit der seiner Familie verwoben ist …

Als der Film 2007 erschien, bekam er keine guten Kritiken, und auch das Publikum reagierte eher verhalten, wenn man den imdB-Wert zugrunde legt. Möglicherweise liegt das an der Erwartung, dass dieser Film von Regisseur James Wan ein ebensolcher Schocker wie Saw sein würde, den er zuvor gedreht hatte. Doch Dead Silence ist weder wie Saw noch wie Insidious oder Conjuring, sondern ein etwas altmodischer Gruselfilm.

Das muss an sich nichts Schlechtes sein, und auch Dead Silence hat seine Qualitäten: Die Regie ist einfallsreich, die Idee, die Heimsuchung mit einsetzender Stille anzukündigen, nach und nach alle Geräusche in der Umgebung auszublenden und so ein Gefühl des Unbehagens zu erzeugen, ist ebenso bestechend wie die Farbdramaturgie. Das Problem ist leider das schwache Drehbuch von Leigh Whannell. Sei es der blasse Held, der orientierungslos durch eine arg vorhersehbare Geschichte stolpert, oder der phlegmatische Ermittler, der sich aus unerfindlichen Gründen in fast jedem Gespräch rasiert, viele Einfälle wirken etwas lieblos aus der Klischee-Kiste zusammengeklaubt. Auch das Ende mit seinem letzten, überraschenden Twist, der leider missglückt ist, hätte man vielleicht nochmal überdenken sollen.

Für Leute, die keine „harten“ Horrorfilme mögen, ist dieses Schauermärchen mit nur wenigen drastischen Momenten genau das Richtige. Kein Meisterwerk, aber annehmbar.

Note: 3-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...