Planet der Affen: Survival & ein Jubiläum

Es ist selten, dass man sich so gut an einen Kinobesuch erinnert, dass man selbst Jahre danach noch weiß, an welchem Tag man einen bestimmten Film gesehen hat. Bei dem Tim Burton-Remake von Planet der Affen weiß ich es noch ganz genau – weil ich ihn am 11. September 2001 gesehen habe. Es war eine Nachmittagsvorstellung (ja, damals gab es noch Vorstellungen von Erwachsenenfilmen um 15 oder 16 Uhr) und ich bin danach einkaufen gegangen. In meinem Teeladen erzählte mir die Verkäuferin dann, was gerade in den USA passiert war …

Inzwischen ist viel Zeit vergangen, der Stoff erhielt eine weitere Chance und verwandelte sich in eine Trilogie, die nun ihr Ende gefunden hat. Schon der erste Teil war um Klassen besser als die Tim Burton-Adaption, was nicht nur mit der veränderten Geschichte zu tun hat, die nun eine Origin-Story geworden ist, sondern auch mit den Quantensprüngen in der Tricktechnik. Und dennoch bin ich mit den Filmen nicht so recht warm geworden.

Ich kann nicht sagen, woran es liegt, denn sie sind gut erzählt, spannend gemacht und thematisch relevant. Vielleicht schwingt unterbewusst ja noch etwas von der Beklommenheit jener Tage im September mit, wer weiß? Jedenfalls musste ich mich jedes Mal überwinden, mir die Filme im Kino anzuschauen …

Planet der Affen: Survival

Jahre des Krieges haben viele Opfer gefordert. Caesar (Andy Serkis) und seine Gruppe leben inzwischen versteckt in einem abgelegenen Waldversteck, wo sie von Soldaten des unbarmherzigen Colonels (Woody Harrelson) aufgestöbert werden. Bei dem Überfall sterben auch Caesars Frau und Sohn, weshalb er sich auf eine Rachemission begibt und sich seinen dunkelsten Instinkten stellen muss …

Mit dem dritten Teil des Franchises endet die Geschichte von Caesar, den Andy Serkis wieder einmal herausragend spielt, so überzeugend, dass sein animiertes Äußere völlig zu verschwinden scheint und der Charakter seiner Figur offenbar wird. Caesar ist kriegsmüde, sehnt sich nach einem ruhigen Zufluchtsort, wo er in Frieden mit seiner Familie und seinen Artgenossen leben kann. Doch die Menschen sind immer noch hinter ihm her.

Die Geschichte beginnt wie ein Rache-Actioner mit einer klar erkennbaren Mission, die zu einer Auseinandersetzung mit den eigenen Instinkten wird. Damit verbunden ist auch eine Art zweiter Menschwerdung des Affen, der nicht nur denken und sprechen kann, sondern auch weitere „zivilisatorische“ oder menschliche Fähigkeiten erlernt, wozu neben Betrug und Täuschung auch Barmherzigkeit und Vergebung gehören. Und wieder einmal stellt sich heraus, dass die Affen menschlicher sind als die Homo sapiens.

Ab der Mitte wandelt sich die Geschichte dann zu einem Film über einen Gefängnisausbruch, denn mit Caesar geraten auch seine Freunde in einen Hinterhalt der Soldaten. Nun dreht sich alles um die ungerechte Behandlung der Insassen und ihre Pläne zur Flucht, daneben rückt aber auch das Duell zwischen Caesar und dem Colonel, der Verkörperung des skrupellosen, unbarmherzigen Militärs, in den Vordergrund. Denn es wird offenbar, dass nicht nur die Affen ums Überleben kämpfen, sondern auch die Menschen. Der Verlust dessen, was sie ausmacht, geht über die moralische Ebene hinaus und bringt einen weiteren interessanten Aspekt in die Filmreihe ein, der zwar ein klein wenig konstruiert wirkt, aber sehr effektiv ist –  und überdies den Bogen zum ursprünglichen Film mit Charlton Heston schlägt.

An diesen denkt man auch im letzten Drittel des Films unwillkürlich, wenn Caesar zum Moses seines Volkes wird und es aus der Knechtschaft ins Gelobte Land führt. So packend der Film bis dahin geschildert wird, driftet er nun doch gewaltig ins Kitschige ab, was sich auch auf den sonst äußerst gelungenen Soundtrack von Michael Giacchino auswirkt.

Da sich die Geschichte sehr ernst nimmt und bisweilen auch extrem düster und beinahe schon deprimierend ist, ist man für jeden amüsanten Moment dankbar. Fast alle davon haben mit Bad Ape zu tun, der großartig von Steve Zahn gespielt wird.

Alles in allem ein würdiger dritter Teil, der qualitativ allerdings hinter seinen Vorgängerfilmen zurückbleibt.

Note: 3+

P.S. Wir haben bei InsideKino tatsächlich ein Jubiläum verschlafen: Vergangenen Freitag verfasste der Kollege cinevoluzzer nämlich den eintausendsten Blog-Beitrag. Hurra! Der Dank gebührt natürlich unseren treuen Lesern, die uns seit Jahren die Stange halten. Hoffen wir, dass noch viele weitere Beiträge folgen werden …

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Pi Jays Corner und verschlagwortet mit von Pi Jay. Permanenter Link zum Eintrag.

Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...