Dope

Hin und wieder sehe ich tatsächlich Werbung. In der Regel bemühe ich mich ja nach Kräften, die aufdringlichen Botschaften der Industrie zu vermeiden, aber wenn es um Filme und Serien geht, schaue ich sie mir ganz gerne an. So auch den jüngsten Clip, in dem Netflix seine Neustarts für den Monat Dezember anpreist.

Darunter befindet sich eine Produktion, die ich vor einiger Zeit gesehen habe, ich glaube, auf Sky, kann mich aber nicht so genau erinnern. Aufmerksam wurde ich auf den Film, nachdem Moonlight den Oscar gewonnen hatte, ein Film, von dem ich ziemlich enttäuscht war. Wem es ebenso ging, dem sei die bessere und vergnüglichere Alternative über das Heranwachsen eines jungen Afroamerikaners empfohlen …

Dope

Der afroamerikanische Teenager Malcolm (Shameik Moore) lebt in einem Problemviertel in L.A. als Sohn einer alleinerziehenden Mutter und ist damit ein wandelndes Klischee. Doch Malcolm ist anders, er ist intelligent, interessiert sich für Wissenschaft und den Hip-Hop der Neunziger und wird als Nerd regelmäßig verprügelt. Seine einzigen Freunde, mit denen er in einer Band spielt, sind Jib (Tony Revolori) und die lesbische Diggy (Kiersey Celmons), die ebenfalls unbedingt auf ein gutes College gehen wollen. In ihrem Viertel herrschen vor allem die Gangs und Drogendealer, und als einer von ihnen, Dom (ASAP Rocky), Malcolm bittet, für ihn bei der hübschen Nakia (Zoe Kravitz) ein gutes Wort einzulegen, verliebt sich der Junge prompt in sie. Zum Dank für seine Amor-Dienste lädt Dom ihn und seine Freunde auf eine Party ein, die jedoch in einer Razzia endet, bei der Dealer Malcolm heimlich eine Menge Drogen in den Rucksack stopft …

Filme über sozial benachteiligte afroamerikanische Jugendliche, die in sozialen Brennpunkten heranwachsen und sich bemühen, dem Kreislauf aus Armut, Arbeitslosigkeit, Drogen und Gangkriminalität zu entkommen, kennt man zur Genüge. Dope ist jedoch ein Film über die Außenseiter der Außenseiter. Malcolm und seine Freunde sind anders, sie interessieren sich für andere Dinge, kleiden sich anders, lieben teilweise anders, und weil sie von allen ausgegrenzt und gemobbt werden, schließt man sie schnell ins Herz.

Regisseur und Drehbuchautor Rick Famuyiwa liefert eine temporeiche, witzige Komödie über drei Heranwachsende ab, die ständig mit den Vorurteilen ihrer Umwelt konfrontiert werden – und schließlich diese zu ihrem Vorteil nutzen. Das ist ein geschickter Schachzug, der einiges zur Komik des Films beiträgt, sich nach einer Weile aber auch abnutzt. Besonders die erste Hälfte ist sehr rasant und voller unerwarteter, absurder Wendungen, doch dann werden die Handlung und der Held durch eine Aufgabe ausgebremst, und es schleichen sich kleinere Längen ein. Erst zum Ende hin schafft es der Film wieder, in sicheres Fahrwasser zurückzufinden und zu einem befriedigenden Abschluss zu kommen.

Sehr angenehm ist auch der Soundtrack, der von Pharrell Williams produziert wurde und passend zur Leidenschaft der Hauptfiguren Songs aus den Neunzigern beinhaltet. Da scheint sich die nächste große Revival-Welle anzukündigen.

Insgesamt eine amüsante Coming of Age-Komödie mit sympathischen Helden und einige köstlichen Einfällen.

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...