The Finest Hour

Mit Mark G. Filme zu sehen, ist immer lehrreich. Neulich sahen wir zusammen mit Meister Mim The Finest Hours und erfuhren auf diese Weise, dass der Film maßgeblich dazu beigetragen hat, dass die Disney Studios auf die Produktion von Tent Poles umgeschwenkt sind. Natürlich haben sie mit Marvel, Lucas Film und Pixar interessante Marken unter ihrem Dach hinzukommen, selbstverständlich sind da noch ihre eigenen Animationsfilme und diverse Franchises wie die Fluch der Karibik-Serie, aber Einzelprojekte, die darüber hinausgehen, gibt es seither nicht mehr.

The Finest Hours war teuer, das liegt in erster Linie daran, dass Dreharbeiten, die mit dem Meer oder Wasser im Allgemeinen zu tun haben, unberechenbar sind. Noch dazu, wenn die Geschichte in einem Sturm und im Winter spielt. Vermutlich war fast jede Einstellung auf hoher See eine einzige CGI-Orgie, und auch wenn sich das Resultat sehen lassen kann, hat der Film letzten Endes seine Kosten nicht wieder eingespielt.

The Finest Hours

Bernie (Chris Pine) arbeitet für die Küstenwache in Neuengland und hat sich gerade mit Miriam (Holliday Grainger) verlobt. Als ein schwerer Sturm aufzieht, bricht auf hoher See ein Tanker auseinander, ein Teil versinkt, der andere kann sich noch einige Stunden über Wasser halten – dank dem Einfallsreichtum des Bordingenieurs Sybert (Casey Affleck). Als sein Vorgesetzter (Eric Bana) Bernie und seine Crew hinaus aufs Meer schickt, weiß jeder, dass es ein Himmelfahrtskommando ist …

Der Film nimmt sich Zeit, was aber gut zu den Fünfzigerjahren passt, in denen er spielt. Man lernt erst einmal in aller Ruhe Bernie und Miriam kennen, vom ersten Date bis zu ihrer Verlobung und bekommt so ein Gespür dafür, was für ein Mann er ist. Bernie ist ein ruhiger Vertreter, sehr gewissenhaft und aufrichtig, einer, der immer das Richtige tun will. Deshalb fährt er auch aufs Meer hinaus, obwohl er weiß, dass er womöglich nicht zurückkommen wird. Als ein Bekannter ihm vorschlägt, nur so zu tun, als würde er den Hafen verlassen, um dann zu sagen, dass er an den widrigen Wetterverhältnissen gescheitert ist, weist er das sofort zurück. Bernie erfüllt seine Pflicht.

Das macht die Figur sehr sympathisch, ebenso wie später zu sehen, dass er durchaus bereit ist, sich über bestimmte Prinzipien hinwegzusetzen und die Regeln zu brechen, wenn dies einem höheren Zweck dient. Aber das macht Bernie noch lange nicht zu einem Rebellen. Der Mann ist grundsolide, der Typ, mit dem man ein Bier trinken würde – und genau das ist das Problem. Bernie ist zwar ein Held, aber einer, für den man sich nicht sonderlich begeistert.

Es ist eine unwahrscheinliche Geschichte mit vielen verrückten Zufällen und unglaubwürdigen Wendungen – doch sie ist wahr und hat sich tatsächlich so ereignet, auch wenn dem Drehbuch ein Roman nach diesen Begebenheiten zugrunde liegt. Es ist die Geschichte einer Rettung aus höchster Not, aufregend, spannend und grundsolide erzählt. Eine Geschichte, die perfekt zu Bernie passt, der man gerne folgt, die einen andererseits auch nicht gerade vor Begeisterung vom Stuhl haut.

Note: 3-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...