Ready Player One

Dies ist nun der letzte, reguläre Beitrag für die nächsten zwei Monate. Aber keine Angst, ab nächster Woche geht es wieder mit meinen Reiseberichten aus Amerika los, allerdings nicht schon ab Montag, sondern vermutlich erst ab Samstag – je nachdem, wie schnell ich den Jetlag überwunden habe …

Nach ein paar Tagen L.A., um uns an den Zeitunterschied zu gewöhnen, geht es dann übernächste Woche zur CinemaCon nach Las Vegas. Ich bin gespannt, was die amerikanischen Verleiher heuer präsentieren werden und welche Stars wir zu sehen bekommen. Falls ich sie überhaupt erkenne.

Anschließend reisen wir einmal über den Kontinent zur Ostküste. Es geht in die Südstaaten oder wie ich immer sage: das Herz der Finsternis von Trumpistan. Angeblich sollen die Menschen dort ja unglaublich nett sein, und es hilft sicherlich, dass wir keine dunkle Hautfarbe haben, aber ein klein wenig beklommen ist mir schon zumute. Aber vermutlich werden wir als Touristen ohnehin nicht viel von dem alltäglichen Wahnsinn mitbekommen.

Mark G. nutzt die Gelegenheit, um etliche seiner Verwandten zu besuchen, und einige Tage werden wir auch in Florida verbringen. Natürlich habe ich jetzt, seit die Route feststeht, nahezu jede Woche ein Video über Krokodilangriffe in Florida gesehen – das Internet kann ja so gemein sein …

Von all dem später mehr. Heute geht es noch einmal um einen aktuellen Film, den ich letztes Wochenende gesehen habe.

Ready Player One

In einer nicht allzu fernen, düsteren Zukunft fristet ein Großteil der Menschen ein sozial abgehängtes Leben. Um ihren Sorgen und Nöten zu entfliehen, verbringen viele ihre Freizeit in der Oasis, einer virtuellen Welt, in der man alles sein kann, was man will, Abenteuer bestehen und Wettkämpfe austragen kann. Als der Erfinder Halliday (Mark Rylance) stirbt, hinterlässt er sein Erbe und die Kontrolle über die Oasis demjenigen, der drei Schlüssel findet. Dafür muss man jedoch zuerst einen mörderischen Wettkampf gewinnen und ein paar Rätsel lösen, die mit Hallidays Leben zusammenhängen. Der junge Parzival (Tye Sheridan) ist der erste, der den ersten Schlüssel findet – und prompt in das Visier von Sorrento (Ben Mendelsohn) gerät. Dieser ist der Chef einer Firma, die die Oasis für ihre Zwecke benutzt und kommerziell noch weiter ausbeuten will. Um an sein Ziel zu gelangen, schreckt er vor nichts zurück, auch nicht vor Mord in der realen Welt. Zum Glück hat Parzival jedoch mit Art3mis (Olivia Cooke) und einigen anderen Spielern gute Freunde an seiner Seite.

Es ist ein typischer Steven Spielberg-Film – aus den Achtzigern: Ein jugendlicher Außenseiter legt sich mit einem mächtigen Gegenspieler an. Dazu gibt es Schnitzeljagden, jede Menge rasante Abenteuer und Freunde, die zusammen durch dick und dünn gehen. Wer hätte gedacht, dass man noch einmal einen dieser „alten“ Spielbergs zu sehen bekommen würde, noch dazu – die Retro-Welle macht’s möglich – im Achtzigerjahre-Gewand.

Der Film ist eine einzige Zitate-Orgie, die mehr popkulturelle Verweise besitzt als vermutlich jeder andere Film. Ein bewegtes Wimmelbuch auf Speed sozusagen, das man sich mehrmals anschauen muss, um auch nur einen Teil der Referenzen zu erahnen. Viele bekannte Figuren tauchen auf und verschwinden wieder, das Tempo ist atemberaubend, die Optik ebenfalls. Der Look der virtuellen Oasis ist zunächst allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem das Aussehen der Avatare, aber durchweg gut gemacht.

Zugegeben, nichts an der Story ist wirklich neu oder originell, aber die Mischung stimmt, die Figuren sind sympathisch, die Schurken herrlich gemein, und am Ende geht natürlich alles gut aus. Das Highlight ist natürlich die Hommage an Shining, aber darüber sollte man besser nicht zu viel verraten …

Ein bisschen Sozialkritik darf auch nicht fehlen, der entfesselte Neoliberalismus bekommt hier ebenso sein Fett weg wie unsere Gesellschaft, die zu viel Zeit an Bildschirmen oder in diesem Fall in einer virtuellen Welt verbringt und darüber vergisst, wie spannend und schön das reale Leben sein kann.

Wer keine Angst vor Reizüberflutung und die Achtziger noch nicht über hat, sollte sich Ready Player One unbedingt anschauen. Es ist perfektes Popcornkino.

Note: 2

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...