Ocean’s Eight

Die Frauen verändern gerade Hollywood. Nicht erst seit der MeToo-Debatte oder der Oscar-So-White-Kontroverse vollzieht sich gerade ein Umbruch in der amerikanischen Filmindustrie, der in gewisser Weise auch die gesellschaftlichen Verwerfungen im Land widerspiegelt. Der weiße Mann ist auf dem Rückzug, Frauen und Minderheiten dagegen auf dem Vormarsch, anders als in der amerikanischen Gesellschaft, insbesondere in ländlichen Gebieten, scheint sich der Wandel aber relativ friedlich zu vollziehen.

Natürlich darf man sich nichts vormachen, noch immer sind die meisten Entscheider in der Branche männlich und weiß, aber solange sie glauben, dass sich mit dem neuen Content auch eine Menge Geld machen lässt, werden sie diesen Kurs unterstützen. In jedem Fall kommt es uns allen zugute, denn es gibt nun eine größere Vielfalt von Geschichten.

Eines der jüngsten Beispiele für die neue Frauenpower habe ich mir kürzlich angesehen:

Ocean’s Eight

Debbie Ocean (Sandra Bullock) kommt aus dem Gefängnis frei und plant zusammen mit ihrer besten Freundin Lou (Cate Blanchett), ein Collier im Wert von 150 Millionen Dollar zu stehlen. Dazu brauchen sie die Hilfe einer exzentrischen Modedesignerin (Helena Bonham Carter), einer Juwelenexpertin (Mindy Kaling), eines Computergenies (Rhianna), einer Taschendiebin (Awkwafina) sowie einer Hehlerin (Sarah Paulson).

Frauenpower. Damit lässt sich der Film gut in einem Wort zusammenfassen, denn die acht Frauen, zu denen man auch den von Anne Hathaway genial verkörperten Filmstar zählen kann, der von den anderen bestohlen wird, lassen es so richtig krachen. Männer spielen nur Statistenrollen, und das ist auch gut so. Leider werden die Figuren dem Publikum nur oberflächlich vorgestellt und können kaum ein Eigenleben entwickeln. Debbie und Lou sind eigentlich nur verdammt coole Gaunerinnen, während die anderen lediglich auf ihre Funktion beschränkt werden und ihren Charakter allenfalls über ihren Kleidungsstil ausdrücken dürfen. Das ist schade, für einen Film dieses Genres aber auch nicht wirklich verwunderlich.

Heist Movies haben meistens zwei Teile, in dem ersten geht es darum, den Coup vorzubereiten, im zweiten, ihn allen Widerständen zum Trotz durchzuziehen. Ocean’s Eight fügt dem noch einen dritten Teil hinzu, in dem sich die Damen gegen einen Ermittler der Versicherungsgesellschaft (James Corden) wehren und ihren Kopf aus der Schlinge ziehen müssen.

Alles in allem kann man sagen, dass keiner der drei Teile sonderlich spannend ist. Es gibt leider zu wenige Hindernisse, die überwunden werden müssen, und weil man die Figuren nicht gut kennt, bangt man auch weniger um sie. Debbie ist von Anfang so selbstsicher und vom Gelingen ihres Plans überzeugt, dass keine Zweifel aufkommen, weder bei ihren Komplizinnen noch beim Zuschauer. Alles gelingt ihnen auf Anhieb, für jedes Problem wird sofort eine lächerlich einfache Lösung gefunden, dass dieser Raub wie das reinste Kinderspiel wirkt. Darüber könnte man leichter hinwegsehen, wenn die Geschichte wenigstens sehr humorvoll erzählt würde, aber auch das ist leider nicht der Fall.

Die Ocean-Filme leben vor allem von ihrer Starpower und ihrer Eleganz, und beides ist in diesem Fall gegeben. Es macht einfach Spaß, der Damenriege bei ihrem kriminellen Treiben zuzuschauen, ganz besonders Anne Hathaway ist großartig. Es wäre nur schön gewesen, wenn Regisseur Gary Ross, der die Idee zu dem Spektakel hatte und zusammen mit Olivia Milch das Drehbuch schrieb, sich mehr Mühe gegeben hätte. So wird man das ungute Gefühl nicht los, dass die Macher wesentlich mehr Zeit auf das Make-up der Stars verwendet haben als auf das Ausarbeiten einer plausiblen Geschichte.

Problematisch ist auch, dass zum Ende hin einige überraschende Wendungen eingebaut werden, die teilweise das infrage stellen, was man zuvor gesehen hat. Weil die Autoren besonders clever sein wollten, wird nun ein nicht geringer Teil der Handlung in Rückblenden nachgeliefert, ohne Rücksicht auf Logik und Plausibilität. Das ist beinahe schon ärgerlich.

Man kann den acht Damen aber nicht wirklich böse sein, denn sie unterhalten einen vortrefflich. Und schlechter als die Männer haben sie es auch nicht gemacht.

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...