Meg

Haifilme gehen immer, hat ein Produzent, dessen Namen mir leider entfallen ist, auf einer Veranstaltung der CinemaCon in Las Vegas behauptet. In der Tat tauchen mit schöner Regelmäßigkeit Filme mit fischigen Übeltätern in den Kinos auf und sorgen für wohligen Schrecken vor allem in der heißen Jahreszeit. Wer gruselt sich nicht gerne, wenn er vor Mallorca oder einer griechischen Insel ins Wasser geht und dabei an gefräßige Räuber denkt, die nach seinen Zehen schnappen könnten? Zumindest in der Fantasie – oder in einem Film bei RTL …

Filme über bedrohliche Hai sind selten großes Kino, sondern eher amüsante B-Ware, die man im Sommer goutiert wie ein Eis am Stiel, und vermutlich sind auf der großen Leinwand mehr Menschen durch Haie gestorben als in der Realität. Bestes Beispiel sind die Sharnado-Filme – mehr gaga geht gar nicht.

Deshalb habe ich mich bei Meg auch auf einen Riesenspaß mit einem Riesenhai gefreut, etwas sinnfreie, aber trashig-lustige, hoffentlich sogar selbstironische Unterhaltung. So wie es der Trailer versprochen hat.

Meg

Bei einer Rettungsmission in der Tiefsee erlebt Jonas Taylor (Jason Statham) etwas Seltsames: Ein riesiges Tier greift sie an, so dass sie nur mit Mühe entkommen können. Weil niemand an diese Geschichte glaubt, gibt Jonas seine Tätigkeit dran und zieht sich nach Thailand zurück. Einige Jahre später entdeckt ein chinesisch-amerikanisches Team eine geheime Unterwasserwelt in 11.000 Metern Tiefe – und wird ebenfalls angegriffen. Jonas wird überredet, die Rettung zu übernehmen. Doch die Forscher haben dort unten etwas Gewaltiges aufgescheucht: einen prähistorischen Megalodon…

Nach den Gesetzen Hollywoods muss, wenn der Inhalt eines Films kopiert wird, alles größer und gewaltiger werden, um den Vorgänger zu toppen. Der Weiße Hai hat Maßstäbe gesetzt und für jede Menge Nachahmer gesorgt, weshalb es nur eine Frage der Zeit war, bis ein Dinosaurier-Hai für Angst und Schrecken auf der Leinwand sorgen würde. Auch den hat es natürlich schon vorher gegeben, zuletzt in den beiden Jurassic World-Filmen, aber nun bekommt der Fisch seinen eigenen Auftritt.

Erstaunlicherweise ist Meg eine Literaturverfilmung. Das gleichnamige Buch erschien bereits 1997, und seither wurde an einer Adaption gebastelt, doch alle vorherigen Versuche erlitten Schiffbruch. Immerhin sind seither sieben (!) Fortsetzungen erschienen bzw. geplant, und eine Graphic Novel scheint es auch zu geben. Reichlich Stoff also, um Jason Statham bis zur Rente zu beschäftigen.

Mit dem Roman hat der Film jedoch nicht allzu viel zu tun, natürlich geht es immer noch um einen Megalodon, nur die Umstände, wie er aufgestöbert wird, wo er wildert und wie er zur Strecke gebracht wird, sind etwas anders. Der Schauplatzwechsel von der Küste Kaliforniens zum südchinesischen Meer ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass die Produktion so teuer war, dass man sie nur mit einem chinesischen Partner stemmen konnte und dieser entsprechende Änderungen verlangt hat. So kommen die chinesischen Wissenschaftler ins Spiel, und der Hai schwimmt zum Seafood-Büffet vor – wo sonst? – Shanghai.

Die drei Drehbuchautoren Dean Georgaris, Jon und Erich Hoeber haben sich jedenfalls alle Mühe gegeben, den Film so mainstreammäßig wie möglich zu gestalten, was ihnen weitgehend auch gelungen ist. Stellenweise wirkt die Geschichte allerdings, als wäre sie von Roland Emmerich zusammengezimmert worden: Alles wird doppelt und dreifach und im Zweifelsfall auch noch mal im Dialog erklärt, was man gerade gesehen hat. Darüber hinaus findet man die üblichen Plotmuster und Klischeefiguren wie den Helden, dem keiner glaubt, den fiesen Milliardär, das taffe Love-interest in Gestalt von Bingbing Li, die stellenweise unglaublich schlecht agiert, und das niedliche Kind.

In diesem Genre sollte man natürlich keine großen Überraschungen erwarten, und die Vorhersehbarkeit der Geschichte mag man ihm auch nicht vorwerfen. Was leider völlig auf der Strecke bleibt, ist der Humor, der bei dieser Art Story unabdingbar ist, und vor allem die Spannung. Zwei halbwegs spannende Sequenzen in knapp zwei Stunden ist einfach zu viel wenig, um den Zuschauer bei der Stange zu halten.

Note: 4+

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...