Cold in July

Der Oktober zeigt sich gerade von seiner schönsten Seite. Am Sonntag war es noch so warm, dass man gemütlich im Straßencafé frühstücken und seine Jacke dabei zu Hause lassen konnte, und auch die leidigen Wespen, die uns beim letzten Mal das Leben schwer gemacht haben, sind inzwischen wieder verschwunden wie ein lästiger Spuk. So kann der Herbst von mir aus bleiben, ungefähr bis kurz vor Weihnachten, gefolgt von drei, vier Wochen Kälte und Schnee, bevor der Frühling einsetzt. Tja, es geht leider nicht nach mir …

Diese Woche veröffentliche ich ein paar alte Kritiken, die schon viel zu lange in meiner digitalen Schublade lagen. Den Anfang macht ein Film, der den Wetterbericht im Titel trägt:

Cold in July

Dane (Michael C. Hall) erwischt einen Einbrecher in seinem Haus und erschießt ihn in Notwehr. Der Tote entpuppt sich als Sohn des gewalttätigen Gangsters Russel (Sam Shepard), der Dane daraufhin hartnäckig verfolgt und bedroht. Der Polizei gelingt es zwar, Russel zu überwältigen, als er in das Haus der Familie eindringt, aber dann entdeckt Dane, dass man ihn belogen hat: Der von ihm erschossene Einbrecher war nicht Russels Sohn, und die Polizei will den Gangster ermorden …

Der Anfang beginnt ziemlich spannend und entwickelt sich in der Folge wie ein Rache-Action-Drama, wie man sie schon häufig gesehen hat. Doch dann bekommt die Geschichte eine interessante Wendung, die viele Fragen aufwirft und die beiden vermeintlichen Gegner zu einer Zusammenarbeit zwingt. Das ist clever gemacht und erzeugt reichlich Rätselspannung, die jedoch leider nicht lange anhält. Hinzu kommt, dass Michael C. Hall als Hauptfigur völlig aus dem Fokus gerät und weder er noch seine Mitstreiter übermäßig sympathisch wirken.

Anstatt auf seinem soliden Fundament aufzubauen und die Story weiter zu entwickeln, gelingt es den Autoren weder, die vielen Fragen zufriedenstellend zu beantworten, noch die Spannung der ersten Minuten aufrecht zu erhalten. Immerhin wird dem ungleichen Duo mit Don Johnson noch ein ebenso zwielichtiger wie schräger Ermittler an die Seite gestellt, der für ein paar Lacher gut ist. Ansonsten schleppt sich der Film relativ tempo- und handlungsarm seinem Showdown entgegen, der aufgrund eines weiteren überraschenden, leider nicht sehr gelungenen Twists zu einer neuen Mission der Helden führt. Dass sie Selbstjustiz üben, ohne auch nur entfernt über alternative Möglichkeiten nachzudenken, verleiht dem Film zudem einen zweifelhaften Beigeschmack.

Nach einem guten Anfang leider enttäuschend – wie ein plötzlicher Kälteeinbruch im Juli.

Note: 4+

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...