Operation: Overlord

Nazis und Zombies. Das ist eine Kombination, die zwei Inkarnationen des Bösen miteinander vereint und zum ultimativen Schreckgespenst werden lässt. Dead Snow ist eines der bekannteren Beispiele für eine Verschmelzung zweier B-Movie-Sujets, ein weiteres ist jetzt in unseren Kinos gestartet.

Operation: Overlord

Am Vorabend des D-Days wird eine amerikanische Fallschirmspringer-Einheit nach Frankreich geschickt, um in einem kleinen Dorf einen Störsender der Nazis auszuschalten und so die Luftunterstützung für die Landung in der Normandie zu ermöglichen. Doch ihre Flugzeuge werden beschossen und stürzen ab, von den Soldaten überleben zunächst nur vier, darunter der Afro-Amerikaner Boyce (Jovan Adepo), der erfahrene Offizier Ford (Wyatt Russell), der Fotograf Chase (Ian De Caestecker) sowie der raubeinige Tibbit (John Magaro). Sie kämpfen sich zu dem Dorf vor, wobei sie Hilfe von der Französin Chloe (Mathilde Olliver) erhalten, und auf den sadistischen Nazi-Hauptmann Wafner (Pilou Asbæk) treffen. Bald machen sie jedoch eine unerwartete Entdeckung: Nazi-Wissenschaftler experimentieren in einem Geheimlabor mit einer teerartigen Substanz, die unter dem Dorf vorkommt und Menschen in superstarke Untote verwandelt …

Operation Overlord war der militärische Deckname für die Landung in der Normandie, und der Film beginnt ziemlich eindrucksvoll mit den Vorbereitungen der Fallschirmspringer-Einheit. Die Nervosität der Mannschaft und die Gefährlichkeit des Auftrags sind von der ersten Minute an spürbar, und wenn das Flugzeug der Protagonisten dann beschossen wird und abstürzt, wenn alles um sie herum in einem feuertosenden Chaos versinkt, hält man als Zuschauer unwillkürlich die Luft an. Das alles ist ziemlich gut gemacht und spannend von Regisseur Julius Avery in Szene gesetzt.

Man lernt die Soldaten, die sich nun durch Frankreich kämpfen müssen, im Verlauf der knapp zwei Stunden gut kennen und schließt die gegensätzlichen Charaktere schnell ins Herz. Nicht alle von ihnen werden den Einsatz überleben, das wird einem schon zu Beginn klar, wenn einige der eingeführten Figuren plötzlich ums Leben kommen.

Die Story nimmt sich viel Zeit, bis die ersten Zombies auftauchen, und auch danach spielen sie keine übermäßig große Rolle. Man kann sie als Metapher für die Gräuel der Nazis verstehen, obwohl es diese nicht gebraucht hätte, aber auch für die Gewissenlosigkeit des Militärs, das vor keiner Perversion zurückschreckt, um sich Vorteile gegenüber den Feinden zu verschaffen. Weshalb die Helden beschließen, dass die Erkenntnisse der Nazis für immer vernichtet werden müssen. Überhaupt geht es in den Entscheidungen der Soldaten erstaunlich häufig um moralische Fragen, etwa ob das Leben eines einzelnen mehr wert ist als das Schicksal der Welt.

Dennoch ist der Film ein klassisches B-Movie mit den üblichen, teils haarsträubenden Wendungen und einigen inszenatorischen Patzern, wenn die Bösen beispielsweise jedes Mal so lange mit ihren Angriffen warten, bis die Helden bereit für sie sind. Auch gibt es jede Menge Klischees, die hier genüsslich bedient werden, über die man sich allerdings nicht wirklich aufregen kann.

Hier und da schleichen sich kleinere Längen ein, und auch manche Ekel-Bilder hätten für meinen Geschmack nicht sein müssen, aber alles in allem ist Operation: Overlord ein spannender, geradliniger Horrorfilm geworden.

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...