Aquaman

Marvel oder DC? Für Comicfans war das schon immer die Gretchenfrage. Wer wie ich nur die Filme kennt, hat es dagegen leichter, denn Marvel hat bislang sowohl in punkto Qualität als auch Boxoffice die Nase vorn. Aber DC holt langsam auf, und mit Wonder Woman haben sie es, meiner Meinung nach, endlich geschafft, den ersten guten Film seit Batman Begins auf die Beine zu stellen. Weitere werden hoffentlich folgen.

Mark G. und ich haben kürzlich den direkten Vergleich zwischen zwei Verfilmungen gewagt und uns an einem Nachmittag zuerst Spider-Man: A New Universe und direkt danach Aquaman angesehen. Unser Urteil fiel einstimmig aus …

Aquaman

Königin Atlanna (Nicole Kidman) flieht vor ihrer Zwangsehe aus Atlantis und kommt bei dem Leuchtturmwärter Tom (Temuera Morrison) unter. Die beiden verlieben sich und bekommen einen Sohn: Arthur (Jason Momoa). Doch Atlanna wird von den Kriegern ihres Vaters zurückgeholt und muss ihre Familie verlassen. Als Erwachsener erfährt Arthur, dass sein Bruder Orm (Patrick Wilson), inzwischen König von Atlantis, einen Krieg gegen die Menschheit beginnen will. Arthurs Mentor (Willem Dafoe) und Prinzessin Mera (Amber Heard) fordern ihn daher auf, Orm zu stürzen und selbst König zu werden …

Aquaman ist kein Unbekannter, denn wir haben ihn bereits in Justice League in Aktion erlebt, einen raubeinigen Draufgänger, der sich gerne prügelt, zum Frühstück literweise Bier inhaliert und auch sonst eher wie ein grober Klotz wirkt. Jason Momoa, der wieder einmal nur aus Arm- und Brustmuskeln zu bestehen scheint, ist dabei die perfekte Verkörperung. Und wie er immer wieder mal kokett sein langes, lockiges Haar zurückwirft, prädestiniert ihn für zukünftige Shampoowerbung.

Doch unter Wasser herrschen andere Spielregeln, und hier vergeht Arthur bald das Lachen, denn Orm sieht vielleicht aus wie ein geschniegelter Bubi, aber er versteht es zu kämpfen, hat gemeine Tricks auf Lager und vor allem das Volk auf seiner Seite. Im Grunde erzählt Aquaman die Geschichte von Black Panther – nur aus der Sicht des Herausforderers. Und Atlantis, eine verborgene Hochkultur, die der menschlichen technologisch Lichtjahre voraus ist, ist das Wakanda von DC.

Auch sonst ist die Story ein wilder Mythenmix, in dem die Sage von Atlantis, Märchen von Seejungfrauen sowie die Legende von König Artus in einen Topf geworfen werden, gewürzt mit Zitaten aus dem Fundus zeitgenössischer Publikumshits wie Avatar, Game of Thrones oder Der Herr der Ringe. Spätestens wenn Arthur auf seiner Heldenreise, die eine Schnitzeljagd nach dem königlichen Dreizack ist, in einer verborgenen Welt nahe dem Erdkern landet und die Autoren sich ausgiebig bei Jules Verne bedienen, kapituliert man als Zuschauer, all die verschiedenen Anleihen benennen zu wollen.

Immerhin, das muss man der Produktion zugutehalten, können sich Ausstattung, Kostüm- und Setdesign sehen lassen. Der Film verfügt über eine Menge Schauwerte, und die Gestaltung der vielen Seemonster, der futuristischen Gebäude, Waffen und Fahrzeuge ist so gut gelungen, dass man immer wieder ins Staunen gerät. Aber wenn man vor allem die Farbgestaltung und das Design bewundert, ist das immer ein Zeichen, dass etwas mit der Geschichte nicht stimmt.

Der Film von James Wan ist leider ohne jegliche Überraschung, ein von Anfang bis zum Ende nach den üblichen Standards Hollywoods gestricktes Abenteuer, bei dem man die Uhr nach den verschiedenen dramaturgischen Wendungen stellen kann. Konfektionsware, wenn man so will, oder eben typisches Popcornkino.

Immerhin hat DC aus einigen Fehlern der Vergangenheit gelernt und sich bemüht, etwas lockerer und humorvoller zu werden. Sie nehmen sich zwar immer noch viel zu ernst, streuen nun aber wenigstens einige Witze ein, von denen ein paar sogar funktionieren, schaffen es aber immer noch nicht, so selbstironisch und leichtfüßig wie die – ebenfalls standardisierten – Marvel-Verfilmungen zu sein. Das liegt sicherlich auch an Jason Momoa, der schon immer ein wenig grobschlächtig agiert hat. Und wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, den sechs Jahre älteren Patrick Wilson als Momoas jüngeren Bruder zu besetzen? Aber das sind, ebenso wie die exzessiven, immer aber auch künstlich wirkenden CGI-Verjüngungen bei diversen Figuren, Kleinigkeiten, über die man sich nicht aufregen mag.

Über weite Strecken macht der Film trotz all dieser Schwächen sogar Spaß. Insgesamt eine halbwegs vergnügliche, vor allem aber hübsch anzusehende Comicverfilmung aus dem Hause DC.

Note: 3-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...