Critters

Das Aufräumen geht weiter. Diesmal habe ich mir einen Film aus den Achtzigerjahren angeschaut, den ich damals als Teenager nicht sehen wollte oder möglicherweise auch nicht durfte, weil ich noch nicht alt genug war. Mark G. meinte jedoch, ich sollte diesen kleinen Kultfilm einmal gesehen haben …

Critters

Acht außerirdische Kreaturen – Critters – entkommen aus dem Gefängnis auf einem Asteroiden und flüchten zur Erde. Verfolgt werden sie von zwei formwandelnden Kopfgeldjägern, von denen einer die Gestalt eines Popstars (Terrence Mann) angenommen hat. Sie entdecken die Critters in Kansas, wo sie sich auf der Farm der Familie Brown eingenistet haben und alles daransetzen, ihre Bewohner zu massakrieren.

In den Achtzigern änderte Hollywood weitgehend seine Einstellung zu Außerirdischen, die nicht länger als Bedrohung empfunden wurden. Waren Filme wie Angriff der Körperfresser oftmals Metaphern auf den Kalten Krieg und die Gefahren des Kommunismus gewesen, verschob sich die Agenda mit Unheimliche Begegnung der Dritten Art. Das Fremde war nicht mehr automatisch das Bedrohliche, sondern etwas, das Neugier und Interesse weckte. Im Gegenteil, manchmal waren es die unaufgeklärten, engstirnigen Menschen, die Jagd auf die Aliens machten und damit zu den Bösewichtern wurden.

Critters scheint so gesehen zwischen beiden Epochen zu stehen, hat sowohl böse, gefräßige Außerirdische als auch hilfsbereite. Auch wenn letztere den Finger etwas zu schnell am Abzug haben und eine Menge Chaos stiften. Der eigentliche Grund, warum der Film gemacht wurde, scheint aber Gremlins – Kleine Monster zu sein, der zwei Jahre zuvor erfolgreich gestartet war.

Auf den ersten Blick putzige, kleine Fellknäuel, verwandeln sich die Critters schnell in Monster mit zu vielen Zahnreihen und einem abscheulichen Appetit auf Menschenfleisch. Sie greifen alles an, was ihnen begegnet, und lassen nicht mit sich reden. Andererseits versucht es auch keiner, was man den Menschen jedoch nicht verübeln kann.

Im Grunde erzählt der Film von einer Nacht, in der eine Familie ums Überleben kämpft. Das sieht man oft im Horrorgenre, und auch hier folgt die Handlung der üblichen Dramaturgie von Kampf und Rückzug, bis hin zur Rettung in letzter Sekunde und finalem Showdown. Dass die Produktion über kein hohes Budget verfügte, konnte man vermutlich schon damals sehen, doch die Macher haben sich Mühe gegeben, das Beste herauszuholen.

Das Resultat ist ein nicht unspannender, aber leider auch unausgewogener Mix aus einem klassischen B-Movie und einer ambitionierten Science-Fiction-Komödie, in der nicht jeder Einfall zündet. Das Auftreten der außerirdischen Kopfgeldjäger erinnert bisweilen an die Blues Brothers, das hysterische Kreischen der angegriffenen Damen an die Horrorklassiker der Siebziger, wobei sie sich überraschend wehrhaft zeigen.

Alles in allem kein Meisterwerk, aber ein kleiner Kultfilm, der es auf mehrere Fortsetzungen brachte und den man sich mit nostalgischen Gefühlen durchaus noch ansehen kann. Man entdeckt dabei auch bekannte Gesichter: Scott Grimes spielt beispielsweise den Farmerssohn, und Billy Zane hat einen kurzen Auftritt als Freund seiner Schwester. Blumhouse könnte ein vergnügliches Remake daraus machen …

Note: 4+

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...