Downton Abbey

Ich habe zwei Lieblingsserien: Game of Thrones und Downton Abbey. Beide habe ich – als eine der wenigen Serien überhaupt – mindestens zweimal gesehen und vermisse sie, seit sie eingestellt wurden. Es gibt zwar noch etliche andere Serien, die mir gut gefallen und deren neuen Staffeln ich entgegenfiebere, aber diese beiden werden wohl immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Von Downton Abbey gab es immerhin vergangenes Wochenende einen Kinofilm, der den Abschied der Serie vom Fernsehen versüßt und auf den die Fans seit Jahren gewartet haben. Und natürlich bin ich gleich am Sonntag ins Kino gegangen …

Downton Abbey

Aufregende Ereignisse kündigen sich an: Der König und die Königin von England planen einen Besuch auf Downton Abbey. Der Earl (Hugh Bonneville) ist entzückt, seine Gattin (Elizabeth McGovern) aufgeregt und ihre Tochter Lady Mary (Michelle Dockery), die sich verstärkt um die klammen Finanzen des Gutes kümmert, ist etwas besorgt ob des Aufwands. Sie fragt sich, ob ein solches Leben in einem großen Haus mit viel Personal überhaupt noch zeitgemäß ist.

Auch die Dienerschaft schwankt zwischen Begeisterung und Anspannung und erfährt bald, dass sie sich zu früh über die Ehre, dem König aufwarten zu dürfen, gefreut haben, denn die königlichen Lakaien reißen das Zepter an sich und degradieren die Bediensteten zu Laufburschen. Selbst der eigens aus dem Ruhestand zurückgeholte Butler Carson (Jim Carter) hat dem wenig entgegenzusetzen. Erst als die resolute Zofe Anna (Joanne Froggatt) zur „Palastrevolution“ gegen die royalen Diener aufruft, schlägt die große Stunde des Personals …

Von der zweiten Staffel an war es bei Downton Abbey schöne Tradition, einige Zeit nach der letzten Episode ein neunzigminütiges (Weihnachts-)Special auszustrahlen. Und im Grunde ist der Film nichts anderes als ein weiteres Special dieser Art, ein wenig länger, opulenter ausgestattet und mit mehr Komparserie, aber sowohl in dramaturgischer wie qualitativer Hinsicht nicht anders als seine Vorgänger. Deshalb stellt sich die Frage: Hätte ein Kinofilm nicht etwas mehr bieten müssen?

Die Antwort ist: Ja, aber … Ja, es wäre schön gewesen, hätte Julian Fellows in seinem Buch größere Rücksicht auf das andere Medium genommen, sich mehr an der Spielfilmdramaturgie des Kinos orientiert, eine weniger episodenhafte Story konstruiert und die Regie sich wenigstens etwas von der Fernsehästhetik gelöst. Aber wäre es dann immer noch das Downton Abbey gewesen, das die Fans lieben?

Die Macher sind also auf Nummer sicher gegangen und haben genau das geliefert, was die Serie über all die Jahre groß gemacht hat. So gibt es eine Reihe von Handlungssträngen, die nur lose miteinander verbunden sind, große und kleine Sorgen unter den Reichen und den Bediensteten, viel Aufregung, Geheimnisse, Intrigen, Verschwörungen und sogar einen Attentatsversuch, aber alles charmant und en passant erzählt. Auch der feine britische Humor sorgt wie gewohnt für die richtige Würze, hätte aber durchaus eine Prise mehr vertragen können, und leider werden auch nicht alle Figuren angemessen gewürdigt.

So werden sicherlich einige Fans enttäuscht sein, weil Carson, Bates und Anna nur kleine Parts haben, Miss Patmore kaum glänzen kann, und selbst Lady Mary nur am Rande vorkommen. Dafür dürfen andere glänzen, allen voran Maggie Smith, die hier wohl ihren letzten Auftritt als knurrige Violet Crawley absolviert und sich noch einmal herrliche Wortgefechte liefern darf. Auch Tom Branson (Allen Leech), der schwule Butler Barrow (Robert James-Collier) und Lady Edith (Laura Carmichael) haben etwas größere Rollen. Alle Handlungsstränge aufzulisten und bewerten zu wollen, wäre aber müßig.

Julian Fellowes selbst hat Downton Abbey immer als Seifenoper beschrieben, und genau das ist die Serie auch, allerdings eine hübsch anzusehende, witzig geschriebene Soap mit warmherzigen Figuren, die man als Zuschauer schnell ins Herz schließt. Das machte den Erfolg der Serie aus und davon profitiert auch der Spielfilm.

Kein großes Kino, aber für die Fans ein absolutes Muss und zwei Stunden lang vergnügliche Unterhaltung.

Note: 2

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...