The Mandalorian

Als Disney+ gestartet ist, war diese Serie für viele das ausschlaggebende Argument für ein Abo des neuen Streamingdienstes. Die Vorschusslorbeeren aus den USA waren enorm, die Bilder von „Baby Yoda“ überall in den sozialen Netzwerken. Es ist die Serie der Stunde und der neueste Ableger des expandierenden Star Wars-Universums.

Aber ist die Serie den Hype auch wert? Ich habe mich darauf eingelassen …

Fünf Jahre nach dem Untergang des bösen Imperiums herrscht ein zerbrechlicher Frieden in der Neuen Republik. Der Madalorianer (Pedro Pascal) ist ein Kopfgeldjäger, der von seinem Auftraggeber, einem imperialen Warlord (Werner Herzog), den Auftrag erhält, einen geheimnisvollen Fünfzigjährigen aufzuspüren und zu ihm zu bringen. Schnell stellt der Held fest, dass er nicht als Einziger hinter der üppigen Belohnung her ist, aber er ist furchtlos und treffsicher, weshalb er seine Konkurrenten und Gegner ausschaltet. Zu seiner Überraschung entpuppt sich der Gejagte jedoch als Kind, ein exotisches Wesen mit Jedi-Kräften, und wirkt so schutzlos, dass der Mandalorianer es am Ende nicht übers Herz bringt, es seinem finsteren Klienten zu überlassen. Nach dieser Entscheidung wird er zum meistgesuchten Mann der Galaxis …

Jon Favreau ist ein kleines Kunststück gelungen: Er schafft es, die alte Trilogie (Episode IV.-VI.) zu zitieren, sogar in den besten Momenten ihren Geist heraufzubeschwören, und dennoch etwas völlig Eigenständiges zu entwickeln. Damit hat er die Mindestanforderung, die ich mittlerweile an das Franchise stelle, schon mal erfüllt: Nicht eine weitere Kopie der bekannten Geschichte herzustellen.

Herausgekommen ist eine faszinierende Mischung aus einem klassischen Western und einem mittelalterlichen Ritterroman mit märchenhaften Elementen. Ein bisschen Eine Handvoll Dollar, etwas Ivanhoe mit einer kräftigen Prise Willow. Was in der Summe am Anfang bizarr anmutet, aber recht unterhaltsam ist, dann leider enttäuscht, um am Ende überraschenderweise wieder die Kurve zu kriegen und zu einem gelungenen Finale zu finden.

Wie man es von Star Wars gewohnt ist, bevölkern einige exotische Kreaturen das Universum. Manche von ihnen sind ausgesprochen gut gelungen, der Attentats-Droide IG-11 (im Original gesprochen von Taika Waititi) oder der erfrischend bärbeißige Kuiil (Original-Stimme Nick Nolte). Leider haben die besten Figuren nur begrenzte Gastauftritte, und nicht alle überleben die erste Staffel.

Ausgerechnet die Hauptfigur macht jedoch die meisten Probleme. Das beginnt schon damit, dass sein Gesicht unter einem Helm verborgen ist. Seit Corona wissen wir, dass schon halb bedeckte Gesichter ein psychisches Unbehagen auslösen können, und wenn wir gar nicht wissen, mit wem wir es zu tun haben, fällt es uns entsprechend schwer, Sympathien zu entwickeln. Es hilft, dass der Kopfgeldjäger selbst zum Gejagten wird und seine Gegenspieler allesamt noch üblere Schurken sind, um uns auf seine Seite zu locken, aber ideal ist diese Konstellation nicht.

Der genialste Einfall ist jedoch „Baby Yoda“, ein so süßer, putziger Fratz, dass die Kassen des Disney-Konzerns munter klingeln werden. Ob George Lucas wohl noch einen Anteil am Merchandising-Kuchen bekommt, da das Design auf seine Yoda-Figur zurückgeht? Ginge es nicht um dieses geheimnisvolle Kind, die Serie wäre nicht halb so interessant.

Leider hatte Favreau nur Stoff für einen Spielfilm, der dann in dreißig-Minuten-Häppchen aufgeteilt und um einige – weniger gelungene Episoden – erweitert wurde. In diesen wird die Kerngeschichte des Mandalorianers, dessen Namen wir übrigens recht spät doch noch erfahren, zurückgestellt zugunsten einer Reihe von Aufträgen, die er notgedrungen übernehmen muss, um über die Runden zu kommen. Auch Helden wollen schließlich essen und ihr Raumschiff auftanken.

Das Finale versöhnt dann jedoch wieder mit den schwachen mittleren Episoden und lässt noch einmal ein kleines bisschen Star-Wars-Feeling aufblitzen. Mehr jedenfalls, als es die gesamte dritte Trilogie (Episode VII.-IX.) vermocht hat.

Insgesamt ein gelungenes Spin Off des beliebten Franchises, dessen zweite Staffel angeblich im Herbst starten soll. Ich bin definitiv wieder mit dabei.

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...