Die Turteltauben

In diesen kinolosen Zeiten brauchen wir alle Aufmunterung, die wir kriegen können. Auf der Suche nach halbwegs frischer Ware und einem Film, bei dem man mal wieder herzhaft lachen kann, bin ich auf diese Komödie gestoßen:

Die Turteltauben

Als sich Jibran (Kumail Nanjiani) und Leilani (Issa Rae) kennenlernen, ist es Liebe auf den ersten Blick, doch vier Jahre später haben die Turteltauben ausgeturtelt. Nach einem Streit auf dem Weg zu einer Party, beschließen die beiden sogar, sich zu trennen. Genau in diesem Augenblick fahren sie einen Radfahrer an, der zum Glück nur leicht verletzt ist und sofort die Flucht ergreift. Im nächsten Moment springt ein Mann in ihr Auto, der vorgibt, Polizist zu sein, verfolgt den Radfahrer – und tötet ihn …

Die Idee ist nicht neu. Auch in Date Night wird ein Paar mit Problemen in ein haarsträubendes Abenteuer verwickelt, und der letzte bekanntere Film, der mit diesen Erzählmustern gespielt hat, war vermutlich Game Night. Aber ein sich ständig streitendes Paar in Schwierigkeiten zu bringen, auf dass sie sich im Verlauf der Geschichte wieder zusammenraufen, ist eine gute Grundlage für eine Komödie, und da die Protagonisten beide ethnischen Minderheiten angehören und die Story in den Südstaaten spielt, kann man noch eine weitere Ebene hinzufügen.

Entsprechend glauben Jibran und Leilani auch sofort, dass die Polizei ihnen den toten Radfahrer anlasten wird, und als dann noch nervige Augenzeugen auftauchen und sie der Tat bezichtigen, kann man gut nachvollziehen, dass sie das Weite suchen. Damit beginnt sowohl eine Flucht vor der Polizei und dem Bösewicht, der die unliebsamen Zeugen natürlich loswerden will, als auch die Suche nach den Hintergründen für den Mord, um so ihre Unschuld zu beweisen.

Leider ist die Story trotz der guten Anlagen relativ dünn und besitzt eine Auflösung, die zwar überraschend und ungewöhnlich ist, allerdings auch nur schwer zu schlucken. Bis dahin hat die Logik jedoch schon mehr Löcher als ein Schweizer Käse, so dass es schon nicht mehr darauf ankommt. Vorhersehbarkeit ist dabei noch das Geringste, was man dem Buch von Mark Perez vorwerfen kann.

Dass der Film dennoch für einen vergnüglichen Abend taugt, hat zum einen damit zu tun, dass es kaum noch gelungene Komödien gibt und man schon für ordentliche Mittelware dankbar ist, zum anderen liegt es an den beiden gut aufgelegten Hauptdarstellern. Vor allem Issa Rae ist eine Entdeckung, die man in Zukunft gerne häufiger sehen würde. Darüber hinaus gibt es einige sehr witzige Dialogsätze sowie ein, zwei überaus gelungene Szenen.

Insgesamt lassen die Turteltauben zwar einige Federn, stürzen aber nicht völlig ab, so dass der Film genau richtig ist für einen gemütlichen Abend daheim.

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...