The Ritual

Am Samstag ist Halloween, und so wie es aussieht, werden die Kinder in den USA heuer wohl kaum Süßigkeiten einsammeln können. Bei uns ist dieser Tag ohnehin fest in den Händen von Erwachsenen, die Kostümpartys feiern, aber auch das sollte man besser unterlassen, sonst kommt der wahre Horror einige Tage später mit dem positiven Covid-Bescheid …

Auf der Suche nach einem netten Gruselfilm bin ich bei Netflix auf diese britische Produktion gestoßen:

The Ritual

Luke (Rafe Spall), Phil (Arsher Ali), Hutch (Robert James-Collier), Dom (Sam Troughton) und Robert (Paul Reid) sind seit ihrer gemeinsamen Studienzeit beste Freunde und verreisen regelmäßig zusammen. An dem Abend, an dem sie über ihre Pläne für den kommenden Sommer gesprochen haben, betreten Luke und Robert noch spät abends einen Laden – und geraten in einen Raubüberfall. Während Luke sich geistesgegenwärtig versteckt, gerät Robert ins Visier der Räuber und wird von ihnen getötet. Ein halbes Jahr später unternehmen die verbliebenen Freunde eine Mehr-Tages-Wanderung durch Schweden. Als sie eine Abkürzung durch einen Wald nehmen wollen, stoßen sie auf Runen und kunstvoll drapierte Kadaver – und bald auf eine übernatürliche Bedrohung …

Normalerweise sind es junge Leute, zumeist leicht bekleidete Teenie-Mädchen, die sich im Wald verlaufen und auf kannibalistische Familien oder Sekten mit der Neigung zu Menschenopfern stoßen. Diesmal sind es jedoch Männer in der Midlifecrisis, die um einen verstorbenen Freund trauern, und damit erschöpft sich auch schon jegliche Originalität.

Vor allem Luke wird von starken Schuldgefühlen und Halluzinationen geplagt, in denen er Roberts letzte Augenblicke immer wieder durchlebt. Wieder erweist sich damit, dass eine existenzielle Bedrohung ein guter Therapie-Ersatz ist, den man jedoch wegen seiner tödlichen Nebenwirkungen nicht unbedingt weiterempfehlen kann. Schon früh ist klar, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird, und unterwegs gibt es auch keine nennenswerten Überraschungen. Das macht die erste Hälfte ein wenig zäh, was aber von einer temporeicheren zweiten ausgeglichen wird.

The Ritual ist eine Kreuzung aus The Blair Witch Project und The Wicker Man oder Midsommar, nicht so spannend wie der erste, weniger obskur als der zweite und nicht so hübsch fotografiert wie der letzte, aber alles in allem grundsolide Horrorware.

Note: 3-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...