Battle of the Sexes – Gegen jede Regel

Gestern ging es um die Gleichberechtigung von Frauen in den USA im Allgemeinen, heute dreht sich alles gewissermaßen um einen Nebenkriegsschauplatz, der ebenfalls verfilmt wurde. Da ich in letzter Zeit aus gegebenem Anlass viel CNN gesehen habe, bin ich auch immer wieder auf Billie Jean King gestoßen, die in den Werbepausen über ein Anliegen berichtet, dem ich, es ist schließlich Werbung, nie Aufmerksamkeit geschenkt habe. Immerhin wusste ich Sportmuffel sogar, wer Billie Jean King ist – dank dieses Films …

Battle of the Sexes – Gegen jede Regel

Nachdem sie 1972 die US Open gewonnen hat, fordert Billie Jean King (Emma Stone) die Anhebung der Siegprämien für Frauen auf das Niveau der Männer. Doch der Chef der Tennisorganisation Jack Kramer (Bill Pullman) lehnt ab. Daraufhin gründet King zusammen mit Gladys Heldman (Sarah Silverman) die Women’s Tennis Association (WTA) und startet eine eigene Turnierserie. Vor deren Start lernt King die Friseurin Marilyn (Andrea Riseborough) kennen, die offen mit ihr flirtet und mit der sie später eine Affäre beginnt.

Der ehemalige Tennisprofi Bobby Riggs (Steve Carell) hadert derweil mit seinem Leben im Ruhestand. Er ist spielsüchtig und geht gerne alberne Wetten mit seinen Freunden ein, sehr zum Ärger seiner Ehefrau (Elizabeth Shue), die ihn deshalb vor die Tür setzt. Der selbsternannte Chauvinist fordert daraufhin King zu einem Turnier heraus, um die vermeintliche Überlegenheit der Männer in diesem Sport zu beweisen …

Die Geschichte beginnt mit einer großen Ungerechtigkeit: Die Siegprämie der Männer bei den US Open ist achtmal höher als die der Frauen, obwohl ihre Spiele genauso gut vom Publikum frequentiert werden, kein Wunder, dass Billie Jean King dagegen auf die Barrikaden geht und gleiche Bezahlung fordert. Diese unfaire Behandlung, verstärkt durch eine herablassende Haltung seitens der Organisatoren, sorgt dafür, dass man schon gleich zu Beginn auf der Seite der Frauen und insbesondere Billie Jeans steht.

Bevor es aber zum berühmten Battle of the Sexes kommt, zu dem das Match zwischen King und Riggs von den Medien hochstilisiert wurde (und dem noch ein weiteres vorausgeht), erzählt die Geschichte von der Selbstfindung einer jungen Frau, die mit dreißig Jahren entdeckt, dass sie lesbisch ist. So ganz geheuer sind ihr diese Neigungen nicht, immerhin ist sie seit Jahren glücklich mit Larry (Austin Stowell) liiert und fürchtet zudem die negative Publicity. Dieser innere Konflikt wirkt sich auch auf ihre sportliche Leistung aus und gefährdet beinahe ihr wichtigstes Spiel. Emma Stone, dank der Kunst der Maskenbildner kaum zu erkennen, agiert gewohnt souverän und verleiht dieser Zerrissenheit die nötige Authentizität, bekommt aber leider selten die Möglichkeit, ihr ganzes Können unter Beweis zu stellen. Denn King ist eher verhalten und besonnen, im Gegensatz zu ihrem Konkurrenten, der sich wie ein Clown aufführt.

Steve Carells Bobby Riggs ist eine dankbare Figur, exaltiert, aufgedreht und permanent in Bewegung, aber dennoch nicht so leicht zu packen. Dass er spielsüchtig ist, wird erst auf den zweiten Blick deutlich, da es ihm in erster Linie darum geht, alberne Wetten abzuschließen, die dieses Problem verharmlosen. Wenn er im Schäferinnenkostüm und von Schafen umgeben ein Tennismatch gewinnt, wirkt das nicht unbedingt wie ein ernstzunehmendes Problem. Oder wie Riggs bei den Anonymen Spielsüchtigen selbst sagt: Das Problem, das andere mit der Spielsucht haben, ist eigentlich ein Problem des Verlierens.

Denn ein Riggs verliert nicht. Als ehemalige Nummer Eins des Tennissports sieht sich der Mann auch mit Mitte fünfzig noch als Macher und Sieger. Seine clowneske Art und flapsigen Sprüche verstellen jedoch den Blick auf einen eitlen Charakter, und wenn er frauenfeindliche Sätze von sich gibt, fällt es schwer, ihm diese auch abzunehmen. Bei Carells Riggs wirkt eben alles wie eine große Show.

Es ist schade, dass sich der Autor Simon Beaufoy in seinem Drehbuch etwas um die Frage herumdrückt, was Riggs tatsächlich umtreibt, und er dem Clown nie die Maske herunterreißt. Auf diese Weise bringt er uns weder seine leicht distanzierte Heldin noch ihren albernen Widersacher wirklich nahe. Immerhin das finale Match gestaltet sich so spannend wie erwartet und entschädigt für einen etwas schwachen Mittelteil.

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...