Black Panther

Dies sind die letzten, „normalen“ Blog-Beiträge für einige Zeit. Mitte nächster Woche reisen Mark G. und ich wieder in die USA, um die CinemanCon zu besuchen und danach ein wenig das Land zu erkunden, das sich seit der Wahl Trumps vermutlich verändert hat. Aber dazu Mittwoch ein bisschen mehr.

Diese Woche geht es wie immer um ein paar Filme, die ich mehr oder weniger kürzlich gesehen habe, und den Auftakt macht dabei einer der erfolgreichsten Streifen aus dem Marvel-Universum.

Black Panther

Nachdem sein Vater einem Attentat zum Opfer gefallen ist, besteigt T’Challa (Chadwick Boseman) den Thron von Wakanda und wird zum Black Panther, dem Schutzpatron des mythischen Königreichs. Dank des seltenen Metalls Vibranium ist Wakanda technisch hoch gerüstet und dem Westen vielfach überlegen, gibt aber vor, ein Dritte-Welt-Land zu sein. Dennoch ist es 1992 Ulysses Klaue (Andy Serkis) gelungen, eine größere Menge Vibranium zu stehlen und dabei großen Schaden anzurichten. Als Klaue erneut versucht, Vibranium auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen, will T’Challa ihn stellen und seiner Gerechtigkeit zuführen. Doch jemand vereitelt seine Pläne und macht ihm überdies die Herrschaft über Wakanda streitig …

Im Vorfeld war viel von der kulturgeschichtlichen Bedeutung des Films zu hören, schließlich erblickt hier der bedeutendste schwarze Superheld des Marvel-Universums in seinem ersten Solo-Abenteuer das Licht der großen Leinwand. Darüber hinaus ist es auch die erste Mega-Produktion von einem afroamerikanischen Team, in dem lediglich Andy Serkis und Martin Freeman zwei kleine, weiße Nebenrollen spielen. Ansonsten sind nahezu sämtliche Akteure vor und hinter der Kamera schwarz. Mindestens genauso wichtig ist zu betonen, welche zentrale Bedeutung die Frauen in dem Film und der Kultur Wakandas haben.

Man kann diese Aspekte in der Tat nicht hoch genug einschätzen. Nach all dem, was in den letzten Jahren in den USA passiert ist, nach den rassistischen Gewalttaten, der Wahl Trumps, der Oscar-so-white- und MeToo-Debatte scheint sich in Hollywood eine unumkehrbare Trendwende vollzogen zu haben. Und das ist gut so.

Dummerweise ist bei so vielen guten Absichten eines auf der Strecke geblieben: das Drehbuch zum Film.  In ihrem Kern handelt die Story von einem Herrscher, der seinen Thron verliert und zurückerobern muss, was zwar nicht sonderlich originell ist, aber spannend erzählt werden kann. Leider gelingt es Regisseur Ryan Coogler und seinem Co-Autoren Joe Robert Cole nicht, eine packende Geschichte daraus zu entwickeln, zu sehr verzetteln sie sich mit der Einführung ihrer zahlreichen Figuren, den Sitten und Gebräuchen Wakandas sowie einer ausführlichen Beschreibung der Hochtechnologie, die dann aber kaum eine Rolle spielt. Es scheint so, als wären sie von dem Potential so überwältigt gewesen, dass sie erst einmal vorführen mussten, was sie da alles haben, bevor ihnen eingefallen ist, dass die Präsentation von Schauwerten allein noch keinen guten Film ausmacht.

Zum Teil sind es die üblichen Probleme einer Origin-Geschichte, in der zunächst einmal der Mythos und der Held etabliert werden müssen, bevor das Abenteuer beginnen kann. In diesem Fall hat man T’Challa jedoch bereits in The First Avenger: Civil War kennengelernt, so dass man sich das auch komplett hätte sparen können. So richtig beginnt die Story eigentlich erst, wenn T’Challa seinen Thron verliert, aber da ist der Film bereits beinahe vorüber, und der Rest wird im Schnellvorlauf abgehandelt.

Die einzelnen Teile sind dabei durchaus gelungen. Die Schauwerte sind toll, man schwelgt als Zuschauer in satten, afrikanischen Farben, die Hochhauskulisse Wakandas sucht ihresgleichen, auch die fremdartigen Riten, die exotische Landschaft und die vielen High-Tech-Spielereien machen Spaß. Die Kostüme sind farbenprächtig, die Schauspieler agieren durch die Bank großartig, auch die Musik mit ihren afrikanischen Einschlägen passt wunderbar zum Film. Nur in der Summe will sich einfach keine Begeisterung einstellen. Die Geschichte zieht sich über weite Strecken wie Kaugummi, und der Bösewicht wirkt wie aus einem schlechten Film. Nicht einmal Andy Serkis kann als Schurke überzeugen, er liefert die vermutlich schlechteste Leistung seiner Karriere – und das noch (oder vielleicht gerade deshalb) mit seinem eigenen Gesicht.

Völlig misslungen ist auch der Schnitt, insbesondere in den viel zu wenigen Action-Sequenzen ist kaum auszumachen, wer gegen wen kämpft, hinzukommt eine langweilige Inszenierung und unzureichende Kampf-Choreographie. Da ist man aus dem Hause Marvel sonst ein deutlich höheres Niveau gewöhnt.

Vielleicht nicht der schlechteste Film aus dem Marvel-Universum, aber sicherlich keiner, den man wegen seiner aufregenden Geschichte in Erinnerung behält. Inhaltlich enttäuschend, aber dafür historisch bedeutsam.

Note: 3-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...