Sieben Minuten nach Mitternacht

Holt die Taschentücher raus! Wie ich am Montag bereits sagte, habe ich am Wochenende ein interessantes Doppel-Feature gesehen, zuerst einen eher düsteren, traurigen Film, gefolgt von Sing zur Auflockerung. Heute verrate ich, welcher Film mich zu Tränen gerührt hat:

Sieben Minuten nach Mitternacht

Der 12jährige Conor (Lewis McDougall) hat Alpträume, weil seine Mutter (Felicity Jones) im Sterben liegt. Sein Vater (Toby Kebbell), der Großbritannien verlassen hat und nach Amerika ausgewandert ist, wo er eine neue Familie gegründet hat, kann und will sich nicht um ihn kümmern. Also bleibt Conor keine andere Wahl, als zu seiner strengen Großmutter (Sigourney Weaver) zu ziehen, sobald das Unvermeidliche eintritt. Conor ist wütend, auf das Schicksal, das so unfair ist, die Mitschüler, die ihn ständig drangsalieren, und auch auf sich selbst. Da erscheint eines Nachts ein Monster, das in einer uralten Eibe versteckt war, und schlägt einen Handel vor …

Sieben Minuten nach Mitternacht basiert auf einem erfolgreichen Jugendbuch von Patrick Ness, der auch das Drehbuch verfasste, das aber auf einen Entwurf der Schriftstellerin Siobhan Dowd zurückgeht, die an Krebs starb, bevor sie die Story vollenden konnte. So gibt es eine traurige Geschichte hinter der Filmgeschichte. Der Roman ist relativ dünn und so eindringlich, dass man ihn nicht mehr vergisst – und zum Ende hin Rotz und Wasser heult.

Bei einer so starken Vorlage hat es der Film natürlich schwer, mit der Vorstellungskraft der Leser mitzuhalten und sie auf ähnliche Weise zu berühren. Es gelingt aber Regisseur Juan Antonio Bayona, die düstere Geschichte eindrucksvoll zu bebildern. Insbesondere das Design des Baummonsters ist gut gelungen. Vor allem aber das starke, emotional ungeheuer berührende Ende bleibt einem noch lange in Erinnerung und kann durchaus mit dem des Buches mithalten, an das es sich auch sehr stark orientiert.

Das Monster erzählt Conor bei seinen Besuchen verschiedene Geschichten, um ihm eine unangenehme Wahrheit zu entlocken und ihn auf das Bevorstehende vorzubereiten. Obwohl diese kleinen Märchen sehr schön animiert sind, fällt der Film jedes Mal ab, wenn sie den eigentlichen Handlungsstrang unterbrechen. Es ist seltsam, dass der Film immer dann am wenigsten emotional ist, wenn er ins Fantastische abgleitet, was vermutlich der ausgesprochen großartigen schauspielerischen Leistungen zuzuschreiben ist. Ein weiteres Problem ist, dass die eigentliche Geschichte relativ schnell erzählt ist und keinerlei Überraschungen beinhaltet – im Grunde weiß man bereits nach den ersten zehn Minuten, wie alles ausgehen wird.

Trotz einiger Längen eine starke, emotionale Geschichte mit Taschentuchgarantie.

Note: 2-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...