Late Night

Morgen startet ein Film, den wir bereits vorab in Köln gesehen haben. Das ist praktisch, denn so kann ich zeitnah eine Empfehlung dafür aussprechen …

Late Night

Katherine Newbury (Emma Thompson) ist seit fünfundzwanzig Jahren eine höchst erfolgreiche Late Night Talkerin im amerikanischen Fernsehen, inzwischen aber festgefahren, zynisch und ein wenig verbittert. Ihre Gagschreiber behandelt sie mit Verachtung, und Frauen haben bei ihr sowieso keinen leichten Stand. Weil ihre Show abgesetzt werden soll, will sie im letzten Moment das Ruder herumreißen und engagiert die unerfahrene, aber gewitzte Molly (Mindy Kaling).

Fiese Chefs oder Chefinnen kommen beim Kinopublikum immer gut an, man denke nur an Der Teufel trägt Prada, und so zieht auch Emma Thompson nach Herzenslust vom Leder, feuert ihre – zugegeben – recht dusseligen Angestellten und demütigt sie nach Strich und Faden. Dass man sie dennoch mag, liegt daran, dass ihr selbst übel mitgespielt wird: Der Sender will sie loswerden, weil die Quoten nicht mehr stimmen und sie alt und viel zu weiß ist. An den beiden letzten Dingen kann Katherine natürlich nichts ändern, aber sie kann sich neu erfinden und entdeckt darüber, dass sie sogar einigermaßen nett sein kann. Wenn sie denn will.

Neue Besen kehren gut, weiß der deutsche Volksmund, und so bürstet Molly, nachdem sie die Anfangsschwierigkeiten überwunden und sich den Respekt der Kollegen erarbeitet hat, Katherines Image gehörig gegen den Strich und verhilft ihr zu neuem Erfolg. Das ist wenig überraschend inszeniert, funktioniert aber dank gut aufgelegter Schauspieler erstaunlich gut und macht immer wieder Spaß.

Mindy Kaling, die auch das Drehbuch verfasst hat, meint es allerdings ein bisschen zu gut und packt die Geschichte mit zu vielen Themen voll. Die Diskriminierung älterer Frauen spielt ebenso eine Rolle wie die von Minderheiten, der Generationenkonflikt oder die Doppelzüngigkeit in den Medien. Das ist löblich, aber auch ein bisschen zu sehr gewollt und daher ein klein wenig angestrengt.

Die Geschichte ist zwar etwas dünn und arg vorhersehbar, macht aber jedoch viel Spaß.

Note: 2-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...